In der Ausstellung von Anna Schmoll treten Malerei, Zeichnung, Keramik und Fotografie in eine vielschichtige Resonanz. In ihrer Arbeit beschäftigt sich die Künstlerin mit psychischen Abgründen und Ruheorten sowie mit der Beziehung des Menschen zu seiner gebauten Umwelt, zur Natur und zu sich selbst als Teil von ihr. Architektur und organische Formen sind dabei sowohl konkret lesbar als auch metaphorische Träger psychologischer und gesellschaftlicher Prozesse.
Die Werke zeigen u.a. Fassaden und Gebäude, die wie Kleidung oder Haut Schutzhülle und Außengrenze sein können. Oder sperren sie uns in unserem Bedürfnis nach Sicherheit mitunter auch ein? So physisch stabil diese „dritte Haut“ erscheint, so durchlässig und fragil ist sie zugleich. Man kann sich durch jede Mauer zu spektakulären Sonnenuntergängen am Meer träumen – oder erfüllt von Angst hinter noch so dicken Wänden sitzen.
Abseits der gebauten Haut der Architektur rücken organische, beinah körperlich, fleischlich anmutende Formen in den Blick: stark vergrößerte Fruchtkörper der Rosa Köpfchenflechte (Dibaeis baeomyces). Vielleicht sind es Fragmente von Körperwahrnehmungen, die beim Scrollen auf unseren Handys aufblitzen. Oder emotionale Flashbacks nach traumatischen Erlebnissen. Vielleicht sind es auch Orte, an denen wir Schutz suchend verweilen möchten.
