Martin Veigl ist ein Vertreter einer jüngeren Künstler*innengeneration, die die Figuration erneut als zeitgemäßes Ausdrucksmittel entdeckt hat. Seine Malerei stellt den Menschen und dessen soziale Konstellationen ins Zentrum und verbindet gegenwärtige Bildthemen mit einer reflektierten Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Traditionen.
Im Fokus stehen Menschenansammlungen, die an flüchtige Momentaufnahmen des urbanen Alltags erinnern. Diese scheinbar zufälligen Szenen sind jedoch sorgfältig komponiert. Veigl bewegt sich bewusst im Spannungsfeld zwischen der Ästhetik des Schnappschusses und komplexen, choreografierten Bildräumen. Inspiriert von der Dramaturgie barocker Deckenfresken lösen sich klassische Perspektiven auf und der Bildraum öffnet sich.
Die dargestellten Personen bleiben meist anonym, Gesichter sind nur angedeutet, Körper verschmelzen zu rhythmischen Gefügen aus Farbe und Bewegung. Dadurch thematisiert Veigl das Verhältnis von Individuum und Masse sowie die Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz in einer zunehmend fragmentierten, digital geprägten Gesellschaft.
Durch vielschichtige Farbaufträge und eine bewusst offene Malweise entstehen Bilder von hoher visueller Dichte, die den Blick lenken und zugleich destabilisieren. Veigls Malerei lädt zur aktiven Betrachtung ein und eröffnet einen offenen Raum für individuelle Assoziationen. Seine Werke legen den Fokus auf das Alltägliche und positionieren die Figuration überzeugend im zeitgenössischen Diskurs.
