Seit vier Jahren leitet Franz Part den Raum für Kunst im Lindenhof in Raabs an der Thaya. Zu seinem 70. Geburtstag blicken wir zurück auf sein Leben voller Kunst

Sehr früh war für Franz Part klar, dass er Künstler werden möchte. Bei einer Schul-Exkursion ins Historische Museum nach Wien hat er das Bild “Die Arche des Odysseus” des österreichischen Malers Rudolf Hausner gesehen. “Ich habe das Bild gesehen”, erzählt Franz Part heute, “und habe mir gleich ein Büchlein über Hausner gekauft. Beim Durchblättern hab ich mir gedacht: “Es wäre schön, wenn ich bei Hausner studieren könnte.” Und genau so ist es dann auch gekommen. Anfang der 1970er Jahre wird Franz Part auf der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen und kommt in die Meisterklasse von Rudolf Hausner.

Am Anfang war die Malerei

“Hausner war ein großartiger Lehrer. Er hat zugelassen, dass jeder individuell arbeitet und sein eigenes Programm macht. Ich habe begonnen mit Malerei, weil mich die Technik interessiert hat. Da durfte ich sogar bei Bildern von Rudolf Hausner mitarbeiten und habe sehr viel gelernt. Aber dann habe ich bald meine eigenen Interessen entwickelt”, erinnert sich Part, “ich habe tabebuchartige Blätter gestaltet und mich viel mit spontaner Malerei beschäftigt.” Gleichzeitig hat Franz Part das Lehramt “Bildnerische Erziehung” absolviert. Und das nicht, um danach einen sicheren Brotjob zu haben, sondern weil ihn die Weitergabe von Wissen um die Kunst und die Arbeit mit jungen Menschen interessiert hat.

Franz Parts’ Kunst-Interesse hat ihn auch regelmässig die Ausstellungs-Eröffnungen von Künstler-Kollegen besuchen lassen. Arnulf Rainer zählte zu seine Favoriten: “Es war Anfang der 1970er Jahre, da war ich bei einer Eröffnung in der angesehenen Wiener Galerie Sankt Stephan. Gezeigt wurden Arbeiten von Gerhard Richter, die kurz davor auf der Biennale in Venedig zu sehen waren. Und da hat Monsignore Mauer, der Leiter der Galerie, bei der Vernissage verkündet: “Beachten Sie bitte auch den hinteren Raum, dort zeigen wir heute kleine Skizzen des jungen Herrn Gironcoli. Das ist seine allererste Ausstellung.” Und von diesen Zeichnungen war ich sofort begeistert.”

Galerien einst und heute

Während es heutzutage üblich ist, dass Kunst-StudentInnen schon während ihrer Ausbildung an Ausstellungen teilnehmen und eventuell sogar von einer Galerie vertreten werden, war das in den 1970er und 80er Jahren nicht gerne gesehen. Damals hieß es, die Studierenden sollten zuerst ihre Ausbildung abschließen, bevor sie der Welt ihre Arbeiten zeigen. “In der Stadt hat es auch gar nicht so viele Galerien gegeben – und am Land keine einzige”, erinnert sich Part, “In Wien gab es die Sankt Stephan, die Ariadne und noch ein paar andere. Das war’s. Heute gibt es in einem einzigen Bezirk mehr, als früher in der ganzen Stadt. In unserer Klasse gab es auch nur einen einzigen Studenten, der schon während seiner Ausbildungszeit ausgestellt hat, und das war der Gottfried Helnwein.”

Nach dem Studium und der Lehramtsprüfung ist Franz Part ins Waldviertel zurückgekehrt und hat am Gymnasium in Waidhofen/Thaya zu unterrichten begonnen. Der Schule ist er bis zur Pensionierung treu geblieben. Auch mit seiner eigenen künstlerischen Karriere hat Franz Part weitergemacht und im Alter von 28 Jahren wurde er von der Galerie Gabriel aufgenommen (es gibt sie noch heute verkleinert am selben Ort, an der Seilerstätte im ersten Bezirk). “Ich bin mit zwei Bildern nach Wien gefahren und hab sie dem Galeristen gezeigt. Der hat ein anderes Bild von der Wand genommen, meines aufgehängt und gesagt: “Ja, das ist möglich.” Und dann hatte ich dort auch bald meine erste Ausstellung. Später habe ich dann in die Neue Galerie am Rabensteig gewechselt.”

Das Bild, das damals in der Galerie Gabriel an die Wand gehängt wurde, war eine von Franz Parts’ frühen “Kritzel-Arbeiten”. Dafür hatte er Gips auf eine Leinwand gespachtelt und dann einen Nagel als gestalterisches Werkzeug benutzt. “Einmal ist auch mein Sohn mit seinem Dreirad über so eine Gips-Leinwand gefahren. Das habe ich dann auch verwendet.”

Das Museum in der Schule

Das Haus, in dem Franz Part mit seiner Frau Maria auch heute noch wohnt, war ihm schon damals Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Was heute die Wohnküche mit einem großen, gemütlichen Essplatz ist, war früher gleichzeitig das Atelier. “Wenn ich an einem großen Bild gemalt habe, war hier kaum Platz zum rumgehen”, erinnert sich Franz Part, “wobei die Rahmen immer nur so groß sein durften, dass sie durchs Stiegenhaus passen. Und ganz am Anfang durfte kein Bild größer sein als der Kofferraum von meinem Auto. Später habe ich dann einfach alles auf dem Autodach transportiert. Auch wenn ich damit in den Regen gekommen bin. Und einmal hat mich sogar die Polizei aufgehalten, weil sich die Bilder beim Fahren aufgestellt hatten.”

Während Franz Part trotz seines Alltags im Waldviertel auch weiterhin an der Kunstszene in Wien teilgenommen hat, hatten seine Schülerinnen und Schüler am Waidhofer Gymnasiums nicht so einfach Zugang zur Kunst. Der engagierte Kunst-Vermittler Franz Part hatte deshalb eine Idee – nach dem Motto: Wenn die Waldviertler Kinder nicht zur Kunst kommen können, muss die Kunst eben ins Waldviertel kommen. Amüsiert erinnert sich Part an die Anfänge: “Die alte Waidhofer Schule war nicht gerade ein schöner Ort. Seit dem Zweiten Weltkrieg war sie nicht mehr renoviert: die Parkettböden waren ölig, die Wände dunkel, aus den Türen sind die Füllungen gequollen und die Kalenderbilder in den Gängen waren so vergilbt, dass man sie nicht mehr erkennen konnte. Vor dem Zeichensaal waren damals Glasvitrinen abgestellt, die niemand benötigt hat. Also habe ich die Vitrinen gereinigt und begonnen, sie mit Grafiken von zeitgenössischen KünstlerInnen zu füllen. Die Grafiken hab ich von meinem Galeristen in Wien bekommen, indem ich meine Bilder gegen die Arbeiten von KolegInnen eingetauscht habe. Und so habe ich mich langsam im zweiten Stock ausgebreitet. Immer, wenn ich wieder ein Stück Wand gebraucht habe, ist der Schulwart gekommen und hat die dunkle, schmutzige Wand mit einem weißen Streifen neu gestrichen. Und auf diesem weißen Streifen konnte ich dann Bilder aufhängen. Das war dann bald eine bunte Mischung aus Originalen, Reproduktionen und auch Arbeiten von SchülerInnen. Und dann habe ich begonnen, Repliken nach Künstlern herzustellen. Zuerst von Marcel Duchamp und Man Ray.”

Marcel Duchamp

Marcel Duchamp (1887 – 1968), französisch-amerikanischer Maler, Objektkünstler und Mitbegründer der Konzeptkunst, ist bis heute Inspiration, Referenz und philosophischer Wegbereiter für Franz Parts’ künstlerisches Schaffen. Duchamp ist unter anderem bekannt für seine Readymades – Alltagsgegenstände, die als Kunstwerke behandelt werden – mit denen er den gängigen Kunstbegriff radikal in Frage gestellt hat. So hat Duchamp 1914 einen in Frankreich gängigen Flaschentrockner aus Eisen gekauft und ihn in seinem Atelier vorerst einmal aufgestellt.

Franz Part hat mit seinen SchülerInnen die Arbeiten von Duchamp nachgebaut oder einfach nachgekauft. Neben dem Flaschentrockner von Duchamp (der in den 1980er Jahren noch in Haushaltsläden erhältlich war) waren auch der Filzanzug von Joseph Beuys und das bemalte Brot von Man Ray in Waidhofen zu finden. “Das blau bemalte Baguette von Man Ray musste eine bestimmte Länge haben und das war sehr schwer zu bekommen. Bis ich einmal in Wien im ersten Bezirk an einer Bäckerei vorbeigegangen bin und dort drinnen genau das richtige Baguette gesehen habe. Ich hatte zum Glück ein Maßband dabei und bin rein – es waren auch andere Kunden drinnen – und habe das Brot abgemessen. Da waren alle sehr verwundert und die Frau hinter der Theke ist panisch geworden und hat gerufen: “Das Gewicht stimmt eh!” – weil sie gedacht hat, ich bin von der Lebensmittelkontrolle.”

In den späten 1980er Jahren wurde das Gymnasium in Waidhofen dann komplett renoviert und neu gestaltet und Franz Part hatte mit einem Mal so viele weiße Wände, wie er sich nur wünschen konnte. Mit der Unterstützung des Schuldirektors Dr. Harald Hubatschke und zahlreicher interessierter Schülerinnen und Schüler wurde das neue Waidhofer Gymnasium zur österreichweit einzigartigen Sammlung von Kunstschätzen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Jackson Pollock – Andy Warhol – Banksy

So haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, wie Andy Warhol seine frühen Drucke angefertigt hat und wie es ist, die überlebensgroßen, bunten Phantasiefiguren von Niki de Saint Phalle zu bauen. Auch vor den action paintings von Jackson Pollock haben sie nicht halt gemacht und genauso wie dieser Farben auf die am Boden liegende Leinwand rinnen, tropfen und spritzen lassen. Und schließlich haben sie nach Vorlagen des street-artists Banksy Schablonen angefertigt und haben in einer geheimen Aktion die Wände mit Graffiti besprüht. “Das war natürlich die beste Art, den Schülern etwas über Kunst beizubringen. Erstens konnten wir immer auf den Gang rausgehen und uns die Arbeiten ansehen, wenn wir gerade eine bestimmte Epoche der Kunstgeschichte durchgenommen haben. Zum anderen lässt einen diese permanente Nähe und Anwesenheit von Kunst nicht so einfach los. Egal ob die SchülerInnen selbst daran mitgearbeitet haben, oder acht Jahre lang jeden Tag daran vorbeigehen Die Kunst ist in ihren Köpfen und ihren Gedanken für den Rest ihres Lebens.”

Aktuelle Ausstellungen

Während es Franz Part in seinem Jahrzehnte andauernden Schulprojekt darum gegangen ist, Kunstwerke so originalgetreu wie möglich nachzubauen, geht es ihm mit seinen eigenen Arbeiten eher um ein Umkreisen, um Referenzen und Anspielungen auf die Kunstgeschichte. Marcel Duchamp steht auch hier Pate: rot und grün bemalte Leinwände mit teils seitenverkehrter Schrift stehen derzeit im Atelier von Franz Part für die nächste Ausstellung bereit. Ein grob gerasterter Ausschnitt von der berühmten “Mona Lisa” ist auf einem Bild zu erkennen. 25 Bodendeckeln von Gasleitungen hat Franz Part in Venedig fotografiert. Ein weiteres Bild muss genau die Maße 146 x 89cm haben … – Was all das bedeuten soll? Franz Part gibt sich (noch) geheimnisvoll: “Bei meinen Arbeiten muß man eigentlich immer viel wissen. Wie Marcel Duchamp gesagt hat: wenn es um Mathematik geht, sagen alle, sie kennen sich nicht aus, aber wenn von Kunst die Rede ist, hat jeder eine Meinung. Dabei ist Kunst auch eine Disziplin, in der man viel wissen sollte. Davon bin ich ganz fest überzeugt.”

Mehr zu den aktuellen Arbeiten von Franz Part also bei seinen nächsten Ausstellungen: im Februar und März 2019 in der Galerie blaugelbezwettl und ab 22. März 2019 im Kunstverein Baden.

 

Zur Person: Der Waldviertler Künstler und Kunstvermittler Franz Part

Mrz 18, 2019