Wer sich im Waldviertel mit zeitgenössischer Kunst beschäftigt, kommt an einem Mann nicht vorbei: Toni Kurz. Vor mehr als vierzig Jahren hat Toni Kurz seinen Verlag für Kunstbücher ins Leben gerufen, die Edition Thurnhof, er hat eine Galerie aufgebaut, den Kunstverein Horn, er hat die BuchKunstBiennale gegründet, steht noch immer regelmässig in seiner Druckwerkstatt  und lädt an Samstagen gerne zum Kunst-Frühstück ein. Wenn man mit Toni Kurz über seine unterschiedlichen Aktivitäten spricht, fliest jedoch alles in einem Punkt zusammen: die Verbindung von Kunst und Leben.

 

 

 

In der Kunst wie im Leben ist Toni Kurz kompromisslos: “Immer wieder ist es vorgekommen, dass Leute eine Ausstellung im Kunstverein besucht haben, die sind reingegangen und nach einer Minute wieder rausgekommen. Wenn ich dann gefragt habe, was sie gemacht haben, kam als Antwort: “Wir habe uns die Ausstellung angeschaut.” Worauf ich gesagt habe: “Probieren Sie einmal in einer Minute “Krieg und Frieden” zu lesen oder eine Symphonie von Tschaikowski zu hören. Da muss man schon bleiben, bis es aus ist.” Museumsleiter Kurz hatte bald eine Lösung für seine “schnellen Gäste” parat: nun gibt es während des Ausstellungsbetriebs im Kunstverein Horn jeden Samstag ab zehn Uhr das sogenannte Kunst-Frühstück in der Galerie. “Und so verweilen die Leute. Sie sitzen in der Ausstellung und die Kunst kann auf sie einwirken. Dann kommt es auch vor, dass Besucher, die anfänglich gemeint haben, sie können mit diesen Bildern nichts anfangen sich dann sogar ihren Favoriten in der Ausstellung gefunden haben,” erzählt Toni Kurz.

 

Galerie + Edition Thurnhof

 

Toni Kurz ist eigentlich gelernter Kaufmann. Seine wahre Leidenschaft galt jedoch seit jeher der Kunst. In den 1970er Jahren hat er den “Kunstclub” der Volkshochschule geleitet. Ziel war es, den Leuten Mut zu machen, sich mit zeitgenössischer Kunst auseinander zu setzen, sich eine eigene Meinung zu bilden und nicht (nur) auf Kunstkritiker zu vertrauen. “Schauen, spüren und überlegen“ ist bis heute das Motto von Toni Kurz. 1974 folgte die Gründung einer eigenen Galerie – der Galerie Thurnhof, wie sie heute noch heißt – damals untergebracht in einem umgebauten Kurzwarengeschäft. Ausgestellt hat Toni Kurz Künstler und Künstlerinnen, von denen er selbst begeistert war. Egal, wie bekannt sie zu diesem Zeitpunkt waren. Gunther Damisch, Tone Fink, Ernst Skrička … viele von ihnen sind heute international erfolgreich. Toni Kurz meint dazu: “Es macht keinen Sinn, nur die großen Namen abzugrasen und sich nicht umzuschauen, was es sonst noch gibt. Zu schauen, welche Vielfalt vorhanden ist Was “Große Kunst” ist, ist ohnehin nicht so einfach zu sagen. Teure Kunst muß nicht die bessere Kunst sein. Und Kunst und Kunstmarkt gilt es, auseinander zu halten”.

 

 

 

 

Bis zu 18 Ausstellungen pro Jahr hat Toni Kurz damals auf die Beine gestellt. Wobei die Auseinandersetzung mit Kunst nicht nur im Galerieraum stattgefunden hat. Plakate und Einladungskarten wurden gemeinsam mit den Künstlern gestaltet. Zu jeder Ausstellung der Galerie Thurnhof wurde ein Katalog mit eigens entworfenen Graphiken und Texten gedruckt. Um die Kosten gering zu halten, hat sich Toni Kurz ein Offset-Druckerei eingerichtet und sich das Setzen und Drucken selbst beigebracht. Die Famiie hat immer dabei geholfen. Sohn Matthias, heute selbständiger Grafiker, war seit seiner Schulzeit beim Druckenn mit dabei, die Töchter Katrin und Anna haben beim Buchbinden geholfen. Seine Frau Christa hat den Vertrieb übernommen – und so ist aus der “kleinen Druckwerkstatt” ein Verlag für Kunstbücher geworden.

 

 

 

Bücher sind die große Leidenschaft von Toni Kurz. Offensichtlich wird das spätestens dann, wenn man sein privates Reich betritt. Etwas abseits von Horn, einen Waldweg entlang und direkt an der Taffa gelegen, steht sein Haus, das im Keller die komplette Druckerei beherbergt. Und in den Geschossen darüber, den „Wohn“räumen, befinden sich Bücher, Bücher und noch mehr Bücher. Bücher, so groß, dass man sie alleine kaum tragen kann (Erich Steininger: “Das Dunkle weicht dem Hellen”, über 100 Holzschnitte, 50 x 70 cm groß in einem Holzschuber) oder so klein, dass sie nur einen einzigen Satz von Joachim Ringelnatz fassen können. Das älteste Buch stammt von 1571 und wurde einst auf der benachbarten Rosenburg gedruckt. Am jüngsten Buch arbeitet Toni Kurz gerade: bis zu sechs Mal im Jahr erscheint ein Band in der literarischen Reihe „Oxohyph“. (Fragt man Toni Kurz, was “Oxohyph” bedeutet, erfährt man: „Eine Wortkreation ohne Bedeutung, klingt aber doch gut, oder?!.“). EinE SchriftstellerIn und einE KünstlerIn gestalten dafür gemeinsam 40 Seiten Bilder und Texte. Gearbeitet und gedruckt wird gemeinsam mit Toni Kurz in seiner Keller-Druckerei in mehrtägigen Intensiv-Sessions. Die Bücher haben eine Auflage von 400 Stück, sind signiert und nummeriert. Zuletzt haben Monika und Lorenz Helfer, Franka Lechner und Karl Korab, Gerhard Rühm, Barbara Frischmuth u.a. für die Edition gearbeitet.

 

Der Kunstverein Horn

 

Toni Kurz’ Begeisterung für Druck – für Papier, Typographie, Farben, Graphiken – spiegelt sich auch in seiner Funktion als Leiter des Kunstvereins Horn wieder. Der wurde 1989 gegründet und ist – nun gemeinsam mit der Galerie und Edition Thurnhof – im Renaissancebau des Kunsthauses Horn untergebracht. Als Zentrum für Druck, Grafik und Bibliophilie hat der Kunstverein mittlerweile internationalen Bekanntheitsgrad erlangt. So wurde etwa die Dada-Ausstellung, die im Februar 2017 zu sehen war, davor in Berlin, den Niederlanden und der Schweiz präsentiert und ist von Horn weitergereist nach Hamburg, England und die USA. Und auch die BuchKunstBiennale Horn – ebenfalls von Toni Kurz gegründet – wurde erst kürzlich im deutschen Wochenmagazin “Die Zeit” in einer Reihe mit der Los Angeles Book Fair und den Kunstbuchmessen in Hamburg, Neapel, Leeds und Brüssel genannt.

 

 

 

 

Toni Kurz ist umtriebig. Und hält seit 35 Jahren seine Reisen, Treffen und Ausstellungsbesuche in Tagebüchern fest. Dort notiert er auch seine Gedanken und Erlebnisse, klebt Weinetiketten ein oder zeichnet die Aussicht aus dem Hotelzimmer. Jeden Monat füllt er ein neues Heft. Die bisher entstanden rund 500 Bändchen befinden sich fein säuberlich geordnet inmitten seiner Bücher. Gerade hat er damit begonnen, die 300.000 Fotos, die sich zeitlebens angesammelt haben, zu ordnen. Und natürlich ist er ständig am Planen und Überlegen, welche Ausstellungen als nächstes im Kunstverein Horn gezeigt werden sollen, welches nächste Buch in der Edition Thurnhof erscheinen wird.

“Es ist wie in einem Steinbruch”, erklärt Toni Kurz, “man wird nie alles machen können, aber jeden Tag ein bißchen.”

 

 

 

Kunstverein Horn

Verlag Edition Thurnhof

 

Das Gespräch mit Toni Kurz führte Dominique Gromes im Jänner 2017

 

Toni Kurz: „Es ist wie in einem Steinbruch“

Mai 16, 2020