Neue und andere Wege zu gehen, Kompass over Map, Spürsinn, Act local – think global und die Verschmelzung von üblicherweise getrennter Disziplinen waren mir schon immer wichtiger als vorgegebenen Pfaden zu folgen.

So kam es auch dazu, dass ich zusammen mit Andreas Nader 2017 den Kunstraum Retz (KRR) gründete. 

Andreas ließ sich auf meine Idee ein, gemeinsam das Risiko einzugehen, einen Kunstraum in Retz zu gründen. Ohne die nötigen finanziellen Mittel und ohne, dass wir uns besonders gut kannten. 

Heute blicke ich auf ein interessantes, gelungenes und lehrreiches dreijähriges Experiment zurück, das ich jederzeit (obwohl etwas anders) wiederholen würde. Mein Dank gebührt ganz besonders dem Land Niederösterreich und Herrn Mag. Hermann Dikowitsch mit seinem Team, Walter Tobeiner und dem Roten Kreuz Niederösterreich, Reinhold Griebler vom Tourismus Retz und den Künstlerinnen und Künstlern sowie den Freunden des KRR´s für all die Unterstützung, Geduld und den Zuspruch!!

Durch den anstehenden Verkauf des Hauses in dem sich der Kunstraum befindet, ist die Zukunft des KRR´s ungewiss – aber die Idee lebt weiter. Schon im Oktober 2021 werden die aktuellen Arbeiten „Die Macht der Begrenzung, meiner Mutter Brigitte Corell, die Künstlerin unserer ersten KRR Ausstellung, in der Kunstfabrik Groß Siegharts zu sehen sein.

In dieser Ausstellung wird auch meine Videodokumentation über eine unserer Gemeinschaftsarbeiten (Mutter und Tochter) Man muss auch Chaos in sich tragen …” (Arbeitstitel) gezeigt. Eine Videoarbeit über die Entstehung einer begehbaren Installation (Glashaus), aus von uns über Jahre gesammelten Fenstern und Holz, unter der Lebens- und Arbeitsphilosophie meiner Mutter: Entlechie” (Aristoteles), die sich aus dem Stoff entwickelnde Form.

Ich bin mit und in der künstlerischen Praxis meiner Mutter aufgewachsen, ob als Darstellerin, Assistentin oder Mitarbeiterin. Schon mein ganzes Leben lern(t)e ich von ihr Altes und Ausgesondertes besonders zu schätzen, Bruchstellen als Sollbruchstellen zu erkennen und die Disziplinen miteinander zu verbinden.

In den letzten drei Jahren habe ich parallel zum Kunstraum Retz und meinem künstlerischen, forschenden und performativen Schaffen aktiv im The Dissident Goddesses´ Network mitgeforscht und mich in einer zirkulärdisziplinen Arbeit dem Thema “Goddess in Practice”, Matriarchat und Herstory gewidmet. *Dank des Lockdowns*, den ich auf dem Land in Niederösterreich zusammen mit meiner Mutter verbringe, konnte ich die Forschung gleich matri-filiarchal mit ihr ausdiskutieren, physisch und psychisch experimentieren, philosophisch formulieren und im Entstehungsprozess von Man muss auch Chaos in sich tragen … ” anwenden.

Grundsätzlich interessiert es mich schon immer Mögliches und Unmögliches, Gewöhnliches und Ungewöhnliches, Neues und Altes zu verbinden, generations- und länderübergreifende, interdisziplinäre Projekte zu realisieren, Schnittstellen zwischen künstlerischem Schaffen, Forschen und Vermitteln zu kreieren und Knotenpunkte für Kunst- und Wissenstransfer zu knüpfen.

Aktuell arbeite ich an meinem dritten Buch, verbinde weiterhin die Disziplinen wie Malerei, Text, Zeichnung und Sound, nehme neue Songs auf und arbeite an meiner nächsten Performance für die 2. Primordial Ocean Night. Eine mehrstündige Klangperformance von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang am “Heiliger Stein” in Mitterretzbach. Eine Performance die sich, inspiriert vom World Ocean Day (UN) und aktuellem menschlichen Verhalten dem Urmeer widmet.

Eine mehrstündige musikalische Lecture-Klangperformance, ein Klangozean, eine akustische und optische Spurensuche, eine synaisthetische, rhythmische Klanglandschaft, ein Klangmeer als rituelle Herangehensweise an Wissen, Sound und Energie.

Die 2. Primordial Ocean Night findet im Auftrag vom Land Niederösterreich Mitte Juli 2021 statt.

Des weitern werde ich versuchen, mich, wie Wasser, der sich abwechselnden, wellenförmigen Geometrie der Gezeiten, den Bewusstseinsveränderungen und gesellschaftlichen Phänomenen offen gegenüber zu verhalten um eine balancierte, harmonische Zukunftstruktur/kultur für *alle* Geschlechter, Generationen und Arten mitgestalten zu können.

Ida-Marie Corell 2021

Informationen zu den diesjährigen Kunstprojekten von Ida-Marie Corell im Wald- und Weinviertel finden Sie unter: www.idamariecorell.com

Fotos: © Ida-Marie Corell

Ida-Marie Corell: Das Resultat eines Spürsinns

Jun 23, 2021