Gespräch mit dem Künstler-Paar Frenzi Rigling und Alois Mosbacher

 

Frenzi Rigling und Alois Mosbacher stellen eigentlich nie gemeinsam aus. Zu eigenständig ist die jeweilige Bildwelt, zu unabhängig sind ihre Arbeitsweisen. Die Galerien Thayaland bringen die beiden singulären Künstler nun in einer Doppel-Ausstellung zusammen. Und haben die beiden Wahl-Weinviertler davor in ihrem Atelier in der Nähe von Retz besucht, um mit ihnen über Unterschiede, Gemeinsamkeiten und ihren ganz persönlichen Zugang zur Kunst zu sprechen.

Galerien Thayaland: Alois, du bist Maler, in der Kunstfabrik wirst du nun erstmals auch Drucke präsentieren. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?

Alois Mosbacher: Ich habe eine sehr breite Definition von Malerei. Malerei ist für mich ein Überbegriff, der das Entstehen von Bildwelten meint. Und da zählen meine Drucke auch dazu. Ich füge bestimmte Sujets und Icons zusammen und erzeuge damit neue Bedeutungsebenen. Das ist eines der ältesten Verfahren überhaupt, um Bildwelten zu erzeugen. Und ein Prozess, der mich nach wie vor fasziniert. Bei den Drucken, – früher hat man dazu “Collage” gesagt – füge ich Dinge, einzelne Gegentände zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören. Ich binde sie sozusagen zusammen und reflektiere damit gleichzeitig bestimmte Denkmodelle. So hat schon die klassische Malerei gearbeitet.

Galerien Thayaland: Frenzi, dein Arbeitsmaterial sind oft Stoffe, dennoch siehst du dich nicht primär als textile Künstlerin. Woran arbeitest du momentan, welche Themen beschäftigen dich?

Frenzi Rigling: Momentan beschäftige ich mich vor allem mit Literatur und ihren Figuren. Literatur ist ja auch eine Art Stoff, voll von narrativen Elementen und Geschichten. Im letzten Jahr ist dann noch meine eigene Geschichte dazu gekommen, als ich von meiner Mutter ganz viele Stoffreste geschenkt bekommen habe. Stoffreste von Kleidern, die sie mir und sich selbst seit den 1970ern genäht hat. Diese Stoffreste haben aber nicht nur mit meiner Geschichte zu tun, sondern erzählen allgemein Frauen-Geschichten. Textiles wird ja von vornherein immer verknüpft mit Weiblichkeit, mit einer weiblichen Lebens- und Arbeitsweise. Bei den Stoffresten hat meine Mutter gesagt: “Was soll ich nur damit machen. Es ist so viel, dass es mich belastet. Aber wegwerfen kann ich es auch nicht, da steckt so viel Geschichte drin.” Also hab ich ihr gesagt, sie soll Bänder daraus nähen, zwei Zentimeter breite Bänder. Ohne zu wissen, dass daraus mal eine Rauminstallation werden wird.

Galerien Thayaland: “Zeitstück” ist der Titel dieser Arbeit: eine Installation quer durch den Raum, die sich einem fast in den Weg stellt und an der man – ohne sich zu konfrontieren – nicht vorbeikommt. Diese Arbeit wirst du auch in der Kunstfabrik präsentieren.

Frenzi Rigling: In der Installation “Zeitstück” hängen nun alle Bänder nach Farben geordnet nebeneinander an einer Stange. Für mich geht es dabei ganz stark um ein Weitergeben, ein Weitertragen, auch ein Weiterführen von Leben. Etwas, das von meiner Mutter auf mich übergegangen ist. Es ist aber auch aufmüpfig, sogar feministisch, dass ich diesen Resten durch die Ausstellung eine Sorgfalt gebe, eine Stimme gebe. Bei meinen Arbeiten mit textilen Stoffen geht es immer auch um eine Sprachlosigkeit, vor allem um die Sprachlosigkeit der Frauen.

Galerien Thayaland: Auch mit deinen Bildern, Alois, geht es dir ganz stark darum, den Raum einzunehmen, den Rahmen zu sprengen und so Geschichten zu erzählen.

Alois Mosbacher: Den Rahmen zu verlassen meint in meinem Fall tatsächlich, meine Arbeiten über den Bilderrahmen hinaus weiterzuführen. Dazu gehören etwa die Überlegungen, wie ich Bilder in einem Ausstellungsraum installiere. Denn sobald man zwei, drei Bilder nebeneinander hängt, hat man gleich einen plot, eine mögliche Geschichte. Diese Geschichte wiederum kann man von Ausstellung zu Ausstellung verändern und immer wieder neue mögliche Bedeutungen der Bildern herausstreichen.

Galerien Thayaland: Frenzi, deine Geschichten erzähltst du unter anderem mit Textzitaten, die du Büchern weiblicher Autoren (wie der Schweizer Schriftstellerin Corinna Bille) oder bekannten Frauenfiguren aus Literatur und Film (z.B. “La Dentelliere” von Claude Goretta, 1979) entnimmst. Was bedeutet für dich das Arbeiten mit und Umarbeiten von Text.

Frenzi Rigling: Auch meine Schriftbilder beziehen sich auf Frauen, die ohne Stimme sind. Und ich versuche, ihnen eine Form zu geben, sie sichtbar zu machen. Ich arbeite daher bei den Schriften mit ihren Zwischenräumen. Also mit jenen Teilen, die eigentlich keine Aussage habe. Ich schreibe den Text auf Textil, schneide ihn aus und arbeite dann mit dem “Abfall” weiter. Es geht mir darum, aus Nichts etwas zu machen. Zwischenräume sichtbar zu machen. Und das bedeutet vor allem, ein anderes Denken beim Betrachter zu forcieren.

Alois Mosbacher: Unser Sohn Lenz beschäftigt sich mit Comics, also mit dem Erzählen in Sequenzen. Und da ist es ja auch so, dass wesentlich mehr zwischen den Bildern passiert, als in den Bildern, und man muss erst lernen, diese Bilder richtig zu lesen. Es ist auch immer die Frage, ob ein Bild überhaupt fähig ist, alleine zu stehen. Kann ein Bild nur für sich existieren? Oder exisitiert es erst, wenn man es anschaut und so ein Zwischenraum entsteht zwischen dem Werk und dem Betrachter?

Das Gespräch führte Dominique Gromes
Fotos: Attila Boa

Frenzi Rigling & Alois Mosbacher: „Ein anderes Denken forcieren.“

Mrz 18, 2019