“Together” heißt der ehrenamtlich geführte Verein, und das ist das Motto von Elisabeth Springer, die sich seit über zwanzig Jahren für grenzüberschreitende Kunstprojekte zwischen Österreich und Tschechien engagiert. Über das ständig wachsende Netzwerk internationaler KünstlerInnen und ihre spannendsten Projekte hat Elisabeth Springer mit dem “Galerien Thayaland Kunstmagazin” gesprochen.

Elisabeth Springer ist gebürtige Wienerin. Am Schulzentrum von Gmünd hat sie jahrzehntelang Deutsch und Englisch unterrichtet. Die große Veränderung kam 1990, als nach der Öffnung des “Eisernen Vorhangs” auch Jugendliche aus Tschechien in ihre Schule gekommen sind. “Das war natürlich Anlass für alle möglichen Aktivitäten”, erinnert sich Elisabeth Springer, “eine davon war, dass 1999 vom Bundesministerium für Unterricht ein gemeinsames Seminar für österreichische und tschechische LehrerInnen veranstaltet wurde, in Wien und in Brünn. Das war für mich der Anfang, die Menschen und das Land in unserer unmittelbaren Nachbarschaft kennenzulernen.”

Elisabeth Springer war schon immer ein interessierter Mensch, interessiert am Reisen, an Kultur und an ihren Mitmenschen. So hat sie dann auch einen ebenfalls engagierten Schuldirektor aus dem Raum Tabor kennengelernt und dessen Schwiegersohn, einen Engländer. “So war die ganze Sache von Anfang an eine internationale”, erzählt Springer, “und wurde auf persönliche Kontakte gegründet. Ohne große Institutionen und ohne Geld im Hintergrund, sondern mit der Absicht, im Gespräch zu bleiben und gemeinsam etwas in freundschaftlicher Atmosphäre auf die Beine zu stellen.” Deshalb heiße der Verein auch “Together”.

“Wir sind unterwegs wie ein künstlerischer Wanderzirkus und machen Projekte in allen Bezirken des Waldviertels, und auf tschechischer Seite in Vysočina , Südmähren und besonders Südböhmen”, so Elisabeth Springer. “Together” hat kein fixes Jahresprogramm. Gearbeitet wird sehr flexibel immer an den Projekten, die sich gerade ergeben. Durch das ständig wachsende Netzwerk (es gibt keine fixen Mitglieder), werden immer wieder neue Ideen an den Verein herangetragen. “Meistens beginnt es im Wirtshaus oder bei einem Kaffee. Man sitzt und plaudert, lernt jemand Neuen kennen oder eine Idee taucht auf. Wenn wir finden, das müsste man machen, dann legen wir los. Oft kann ich auch gar nicht mehr sagen, wie ein Projekt begonnen hat.”

So breitgefächert das Netzwerk von “Together” ist, so verschiedenartig sind die Projekte, die in den vergangenen zwanzig Jahren realisiert wurden: Graffiti-Aktionen von österreichischen und tschechischen Jugendlichen, grenzüberschreitende Gruppenausstellungen, Konzerte, Videoproduktionen und internationale Symposien.

Ein Projekt, an dem jahrelang gearbeitet wurde, war die Kapelle in Reingers, einem kleinen Grenzort im Bezirk Gmünd. “Die Kapelle in Reingers war eine ehemalige Aufbahrungshalle, die seit Jahr und Tag leer gestanden ist. Da hatte der Bürgermeister die Idee, man könnte den Ort doch auch nutzen, als Begegnungsraum. Wir haben dann 2007 den tschechischen Maler Teodor Buzu dazugeholt, der das Innere der Kapelle künstlerisch sehr aufwändig gestaltet hat. Bis heute machen wir dort Veranstaltungen und Konzerte. Und auch die Gemeinde hat wieder begonnen, die Kapelle zu nutzen.”

Seit 2012 veranstaltet der Verein “Together” jedes Jahr das VIA LUCIS Symposium. “Via Lucis – der Weg des Lichts. Das hat eine religiöse Bedeutung, und für KünstlerInnen noch die zusätzliche über den Umgang mit Licht”, erklärt Elisabeth Springer, “Unser VIA LUCIS ist ein Kunstsymposium nach tschechischem Vorbild.” In den früheren Oststaaten sei es gängige Praxis, dass KünstlerInnen, oft aus verschiedenen Ländern, für eine Woche zusammenkommen, gemeinsam arbeiten, sich austauschen, aber auch den Ort und die einheimische Bevölkerung kennenlernen. Am Ende des Symposiums werden bei einer Ausstellung die entstandenen Arbeiten präsentiert und meist per Video festgehalten. Dass auch durch das VIA LUCIS Symposium etwas bleibendes entsteht, ist Elisabeth Springer ein besonderes Anliegen: “In einem Katalog werden alle beteiligten KünstlerInnen vorgestellt. Manche kommen aus Ländern, von denen wir kaum etwas wissen. Traditionell bleibt ein Werk pro KünstlerIn am Ort des Symposiums zurück, sodass selbst in entlegensten Dörfern eine kleine Kunstsammlung aufgebaut werden kann. Wir waren mit unserem Symposium zuerst fünf Jahre in Stift Eisgarn, seit drei Jahren findet VIA LUCIS in Sallingstadt statt, einem Dorf mit 240 Einwohnern im Bezirk Zwettl. Die Gemeinde ist sehr aufgeschlossen, und die Arbeiten der KünstlerInnen aus den vergangenen Jahren hängen in der Kirche, im Dorfwirtshaus und im Rathaus Schweiggers.”

2021 wird ein Projekt abgeschlossen, das bereits im Vorjahr in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Žďár nad Sázavou in Vysočina begonnen wurde. “In dieser Region gibt es eine ganz intensive Glas-Tradition. Die hat es bei uns im nördlichen Waldviertel auch gegeben, teilweise gibt es sie noch immer. Aber in Tschechien wird sie sehr stark gepflegt. Die Stadtgemeinde Žďár wollte also gemeinsame Ausstellungen und ein Skulpturen-Symposium veranstalten, bei dem österreichische und tschechische SteinbildhauerInnen und GlasmeisterInnen zusammenarbeiten. Das ist eine sehr ungewöhnliche Kombination“, erzählt Elisabeth Springer, deren Verein „Together“ die Organisation auf österreichischer Seite übernommen hat. Der Titel des Projekts lautet „Durchblicke“ – als Referenz auf das Material Glas, aber auch im Sinne von „etwas durchblicken, etwas verstehen.“ In Žďár wurden die Skulpturen bereits aufgestellt und die gemeinsame Ausstellung hat stattgefunden. Auf österreichischer Seite wird sie heuer nachgeholt – in der Kunstfabrik Groß Siegharts.

Etwa 450 Veranstaltungen hat Elisabeth Springer in den vergangenen 20 Jahren möglich gemacht. Und sie denkt noch lange nicht ans Aufhören. „Es ist zwar wahnsinnig viel Arbeit, aber es ist gerade das Aktiv sein, das Spaß macht. Leute kennenzulernen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, das einen bleibenden Sinn hat.“

Weitere Informationen zu den aktuellen Veranstaltungen und Projekten des Vereins “Together”:

https://www.together-info.eu/

www.facebook:com/VereinTogether

Elisabeth Springer: „Wir sind ein künstlerischer Wanderzirkus“

Mai 23, 2021