Der bekannte Waldviertler Verlagsleiter Richard Pils hat eine ausgediente Fabrik vor dem Verfall gerettet und präsentiert nun Bildende Kunst in einzigartiger Industrie-Atmosphäre.

Zentral gelegen in Gmünd und in unmittelbarer Nähe zum Grenzübergang nach Tschechien befindet sich die alte “Eisenberger Fabrik”, einer der ersten Stahlbetonbauten Niederösterreichs. Von Außen unscheinbar, beeindruckt das Innere des Gebäudes durch seine einzigartige Architektur: hohe, dreischiffartige Hallen in Stahlbetonträgerkonstruktion in drei Stockwerken und der kirchturmartigen Wasserturm mit Stiegenhaus und Materiallift. In diesem 1924 vom Berliner Seidenwarenfabrikanten Samuel Eisenberger errichtete Gebäude standen einst 300 Seiden- und Baumwollwebstühle, die von 150 Arbeiterinnen und Arbeitern betrieben wurden. Nach Umwegen zur Dekorstoff- und schließlich Teppichweberei, wurde die gesamte Produktion 1992 eingestellt und das Gebäude stand seither ungenutzt.

Nun prangt jedoch wieder ein Transparent an dessen Stirnseite: “die fabrik” steht darauf zu lesen, in großen schwarzen Buchstaben auf knallrotem Untergrund. Richard Pils, Leiter des Waldviertler Verlags “Bibliothek der Provinz”, hat die Fabrik vor 10 Jahren gekauft und verwandelt sie nun Stück für Stück zu einem Kulturhaus für Jugendkultur, Bildende Kunst und Musik.

Das “Galerien Thayaland Kunstmagazin” hat den energiegeladenen Verlagsleiter zu einem Gespräch über Gegenwart und Zukunft seiner “fabrik” getroffen.

 

 

Galerien Thayaland: Die erste Frage, die sich natürlich stellt, ist: wieso hast du die Fabrik gekauft?

 

Richard Pils: Es gibt so etwas wie, wie ich es nenne, “Baugruben-Mentalität”: da ist ein Baugrube, viele Menschen stehen um diese herum und jeder hat eine Meinung, was man da bessermachen sollte. Man könnte aber auch selber einfach eine Schaufel in die Hand nehmen und anfangen zu arbeiten. Nachdem das Gebäude seit 1992 leer gestanden ist, hat es viele Ideen gegeben, von Abriss bis Umbau. Die sogenannte »Eisenberger Fabrik« ist ein industrielles Kulturdenkmal und deshalb unbedingt zu erhalten. Ich habe sie also gekauft – weil wir ohnehin für den Verlag, Lagerflächen benötigen. Erhalten meint ja auch im Sinne von Nachhaltigkeit: etwas nutzen, damit es wieder eine Funktion bekommt. Und so hatte ich zusätzlich die Idee, die »Fabrik« als Veranstaltungsort zu nutzen.

 

Galerien Thayaland: Dein Fokus liegt dabei auf Bildender Kunst. Warum?

 

Richard Pils: Zum einen lade ich vor allem zu Kunstausstellungen ein, weil mich Kunst sehr bewegt. Zum anderen, weil gerade die Bildende Kunst in der Region um Gmünd und Weitra unterpräsentiert ist. Und jetzt, wo in unserer Region die größeren Industrien längst verschwunden sind, könnte ein umfasssendes Kunst- und Kulturangebot auch eine Chance für den Tourismus des Waldviertels sein. Die Natur und die Landschaft werden über den Tourismus bereits als Wirtschaftsfaktor anerkannt. Für Kultur trifft das im selben Maße zu und würde ebenfalls eine Chance sein.

 

Galerien Thayaland: “die fabrik” zeigt nun drei bis vier Ausstellungen pro Jahr. Welche KünstlerInnen wählst du dafür aus?

 

Richard Pils: Ich veranstalte Ausstellungen vor allem von KünstlerInnen, deren Publikationen in meinem Verlag erscheinen, zu denen ich einen entsprechende Zugang habe und wo ich meine, dass sie für Kunstinteresseierte eine Andockstelle sein könnten . Es handelt sich um KünstlerInnen, die international unterwegs sind und ein besonderes Œuvre geschaffen haben. Wenn man so jemanden kennenlernen, wenn ein Kontakt mit dem Menschen, aber auch mit seinem Werk stattfinden kann, dann ist das eine ungeheure Erfahrung. Mir selbst macht es natürlich auch eine große Freude, diese außergewöhn-lichen Menschen mit ihrem Werk hier begegnen zu dürfen.

 

Galerien Thayaland: Der zweite Stock, in dem die Ausstellungen stattfinden, ist ein wirklich spezieller Ort: der Beton- und Stahlkonstruktionen, der Boden und die Wände erzeugen einen eher unterkühlten Industrie-Charakter. Gleichzeitig gibt es an allen Seiten riesige Fenster, die auf grüne Bäume und den blauen Himmel blicken lassen und den Raum hell und luftdurchflutet machen. Was sagen eigentlich die KünstlerInnen zu diesem einzigartigen Ausstellungsraum?

 

Richard Pils: Die KünstlerInnen sind stets über die Ausstellungsmöglichkeit begeistert. Ernst Skrička, der 2018 den Kulturpreis des Landes Niederösterreich erhalten hat, führt zum Beispiel immer nur einige wenige Ausstellungen in seinem Lebenslauf an. Aber seine Ausstellung bei uns steht stets mit auf der Liste. Und Maria Moser, deren Arbeiten noch bis ins Frühjahr 2019 hier zu sehen sein werden, war richtig ergriffen, als sie gesehen hat, wie ihre Arbeiten in der Fabrik präsentiert werden. Vor allem wegen des Lichtes. Das Licht fällt herein und wandert im Laufe des Tages durch die Halle. Und die Bilder und Skulpturen verändern sich durch das wandernde Licht und erwachsen so zum Leben.

 

Galerien Thayaland: Du hast dich auch dagegen entschieden, die Bilder nicht einfach an die Wand zu hängen, sondern du hast in der Halle scheinbar schwebende Wandteile angebracht, die alle Werke zu einem Bild-Raum zusammenfügen.

 

Richard Pils: Es ist eine Weiterführung der Gebäude-Architektur. Die Stahlbeton-Mauern trennen das Innen vom Außen. Und die großen Fenster holen das Außen wieder herein. Wir haben also die Maße der Fenster übernommen und sie als Wandteile in den Raum gehängt. Durch die Wand-Fenster kann man jetzt sozusagen »in die Kunst blicken«. Man hat also wieder einen Innen- und einen Außenbereich. Kunst ist ja außerhalb von uns und gleichzeitig in uns; beziehungsweise sucht sie sich einen Weg in uns hinein. Das ist es, was Kultur ganz allgemein macht: wenn ein Musiker ein Instrument spielt, findet das zwar außerhalb von ihm selbst statt, aber die Musik spiegelt gleichzeitig das Innere des Musikers wieder. Dieser Fluss ist für mich wichtig: die Kommunikation, die Begegnungen mit Kunst und mit Menschen.

 

die fabrik (ehem. Eisenberger-Fabrik)
Litschauerstraße 23, 2. Stock
3950 Gmünd

Öffnungszeiten:
samstags- 10 bis 17 Uhr
sonn- und feiertags 10 bis 16 Uhr

www.bibliothekderprovinz.at/die-fabrik

„die fabrik“ in Gmünd: „Begegnung mit der Kunst und den Menschen“

Mrz 18, 2019