2022 wäre der griechisch-österreichische Bildhauer Joannes Avramidis 100 Jahre alt geworden. So ist es uns, den Galerien Thayaland, eine besondere Freude, eine Jubiläums-Ausstellung mit bedeutenden Arbeiten des Ausnahme-Künstlers zu präsentieren. An dieser Stelle deshalb einige wichtige Stimmen über Avramidis. Und der Bildhauer selbst kommt auch zu Wort.

 

 

Joannis Avramidis (1922–2016) stellte in seiner Arbeit den Menschen als Maß aller Dinge in den Vordergrund. Der hohe Abstraktionsgrad seiner Skulpturen wurzelte dabei nicht in der Tradition der klassischen Moderne. Vielmehr resultierte dieser aus der Suche nach einer universalen, zeitlosen Formsprache unter Berücksichtigung selbstauferlegter Konstruktions-prinzipien. Dem schöpferischen Ethos des Künstlers, der sich mit Nachdruck auf seine griechischen Wurzeln berief, standen das Erbe der Antike und der Frührenaissance ebenso Pate wie eingehende Naturstudien, die von einem ungemein breiten metamorphotischen Potenzial zeugen.

– Aus dem Ausstellungskatalog, Leopoldmuseum, 2017

 

Ich setze einen Mechanismus, der etwas erzwingt, ich nehme die Natur wirklich als eine zwingende Gegebenheit, und nur durch die Konstruktion, die eben des Menschen Sache ist, verwandelt sich das, ändert sich das und erzwingt eine andere Form.”

– Joannis Avramidis

 

 

Aus seinen Zeichnungen nach der Natur gewinnt Avramidis die Längsprofile der Außenansichten der Figur; die Querschnitte haben ineinander geschobene Kreise zur Grundlage. Für die weitere Vorgehensweise ist die exakte Zeichnung dieser Konstruktion Voraussetzung: Der Künstler schneidet die Längs- und Querprofile aus Aluminiumblech aus und baut aus diesen das Gerüst für die Figur. Für den Bronzeguss füllt er die sich ergebenden Kompartimente mit Gips und erhält auf diese Weise die Gussform. Alles Zufällige, Individuelle und auch jede Bewegung sind eliminiert. Die Figur nähert sich der Form der Säule an – der grundlegenden Maßeinheit im Tempel der griechischen Antike und dem klassischen Symbol für das menschliche Maß.

– Gudrun Danzer, Österreichischer Skulpturenpark (Museum Joanneum)

 

Ich habe eine ungeheure Empfindung für das Sakrale, d. h. das eben Nicht-Banale. Und daher komme ich auf den Tempel, wo ich wiederum etwas in der Mitte platziere. Es ist ja auch verständlich, daß der Tempel erst dann ein Tempel ist, wenn etwas in der Mitte steht, das den Menschen, der da eintritt, eigentlich in eine würdige Richtung zwingt.“

– Joannis Avramidis

 

 

Joannis Avramidis zählt zu wichtigsten österreichischen Bildhauern – sowohl durch sein Œuvre als auch durch seine langjährige Lehrtätigkeit an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. In ihrer strengen Konstruktion und formalen Abstraktion nehmen seine Skulpturen eine avantgardistische Stellung in der österreichischen Skulptur ein. Avramidis sah in der Abstraktion den eigentlichen schöpferischen Akt, den „Schritt vom Abbild der Natur zum kreativen Kunstwerk.“ Das Motiv des Kopfes stellt eine bedeutende Werkgruppe innerhalb seines Œuvres dar und wurde von Avramidis immer wieder neu aufgegriffen und bearbeitet. Die Kopfform bot die Möglichkeit mit nur wenigen Formelementen eine Skulptur von großer emblematischer Zeichenhaftigkeit zu schaffen. Raumgreifend ragen sie wie Idole aus archaischer Zeit in unsere Gegenwart.

– Silvie Aigner, Kuratorin

 

Ich habe das Wunschbild, daß meine Arbeit so wenig wie möglich zeitabhängig ist. Meine Idealvorstellung ist, daß ich meine Arbeit auch in einer anderen Zeit hätte machen können, etwa in der Frührenaissance oder in der antiken Archaik.“

– Joannis Avramidis

 

Aus unserem Magazin: 100 Jahre Joannis Avramidis

Apr 2, 2022